Mittwoch, 23. Dezember 2009

Ein Gedanke

Ich denke
                                     nur noch an dich
also bin ich
                                     in dich verliebt?

Sonntag, 20. Dezember 2009

Selbstversuch

Ich kann nicht sagen, ob es meine wahnsinnige oder meine masochistische Anlage war, welche mich letzten Sonntag zu einem vorweihnächlichen Schaufensterbummel durch das Einkaufszentrum Stücki veranlasste. Es war Sonntagsverkauf in Basel: ein Garant für völkerwanderungs-ähnliche Zustände in den Konsumtempeln der Stadt. In dieser Zeit kleidet sich der Kommerz in noch glänzenderen Kitsch und der Schein respektive das Scheinen wird durch die Lichterketten verstärkt. Bei diesem Selbstversuch ging es darum, der Versuchung des weihnächtlichen Kommerzes zu widerstehen.

Besonders erwähnenswert bezüglich der übertriebenen Dekoration des Einkaufszentrums sind die Weihnachtsbäume. Dabei kann man grob zwischen zwei Arten unterscheiden: Weihnachtsbäume der Kategorie I wurden brutalst gestutzt und das ausgedünnte Astwerk erinnert bestenfalls noch an ein Gestrüpp. Dieser Makel soll nun mit allerlei Schmuck überspielt werden, was gänzlich misslingt: Jeder Ast ist mehrfach mit einer Lichterkette umwickelt, was den Gestrüppcharakter verstärkt und die fussballgrossen Weihnachtskugeln nehmen diesem vergewaltigten Baum endgültig die Proportionen.
Weihnachtsbäume der Kategorie II bestehen in erster Linie aus Weihnachtskugeln, welche zu einem Kegel aufgetürmt sind. Hie und da findet sich ein Ästchen der Kunsttanne zwischen den Kugeln und lässt so ein Bäumchen erahnen.


Mit gemächlichen Schritten schlenderte ich durch die hell erleuchteten Hallen und überliess mich ganz meinem Staunen. Zu sehen gab es allerhand: Läden die nur Gürtel verkaufen, andere bieten nur Handtaschen an und wiederum andere haben lediglich Badetücher feil. Vor einem riesigen Weihnachtsbaum der Kategorie II sang ein Gospelchor. Als ich ein zweites Mal an dieser Stelle vorbeikam, war der Chor durch einen Weihnachtsmann ersetzt worden und Eltern standen mit ihren Kindern in einer langen Schlange davor. Alle paar Minuten hörte man Durchsagen, Autonummern wurden vorgelesen und die Betroffenen wurden aufgefordert, ihre Fahrzeuge sofort umzuparkieren. Die Stimme der Sprecherin wurde zunehmend hysterisch und damit schwand ihre Autorität. Nicht einmal die Drohung, die falschparkierten Fahrzeuge kostenpflichtig abzuschleppen, vermochte die Kunden im Einkaufszentrum zu beunruhigen. Ich schlenderte an den meisten Läden vorbei. Nur ein- oder zweimal erlaubte ich mir einen kleinen Abstecher in ein interessantes Geschäft und trotzdem wanderte ich über zwei Stunden in den endlosen Gängen auf und ab ohne etwas zweimal zu sehen.


Kein bisschen schlauer und dennoch eine Erfahrung reicher wandte ich mich dem Ausgang zu und spazierte ein letztes Mal an der Imbissecke vorbei, wobei es angebrachter ist von einem Imbissplatz zu schreiben. Auf diesem Platz tummelten sich schätzungsweise einige hundert Kunden zwischen den viel zu eng platzierten Tischen und Stühlen. An der gegenüberliegen Fassade befanden sich gleich drei verschiede Fastfood-Vertreter, welche die Kundschaft unentwegt mit Kalorienbomben eindeckten. Kommerzielle Kriegsführung. Da sassen sie, fressend schmatzend. Umgeben von ihren erstandenen Nebensächlichkeiten stopften sie sich die fetttriefenden Fritten in ihre gierigen Mäuler. Immer mehr, denn der Kommerz ist ebenso unersättlich, wie wir es sind. Wir wurden schon vor langem von ihm verschlungen. Jetzt sind wir willenlos und werden von Werbung und einem pervetierten Begriff der Weihnachten gesteuert.

Weihnachten: das Fest der Liebe. Dass Weihnachten jeden Sinn verloren hat, ist öffentlich bekannt und wird auch angeprangert. Ich stelle fest, dass der Mensch aber auch den Begriff Liebe falsch - zu oberflächlich - auslegt. Wir haben das Gefühl zu lieben, wenn wir Geschenke verteilen und binden damit die Liebe unweigerlich an Materielles. Wir beschränken sie und uns selbst. Dabei ist Liebe doch ganz anders: Sie ist bedingungslos und lässt sich nie in Papier einwickeln. Was ich mir auf Weihnachten wünsche ist ein tieferer Sinn für Begriffe wie Weihnachten oder Liebe und ich wünsche mir Sinnlichkeit.