Mittwoch, 28. Oktober 2009

Hilfe, meine Agenda explodiert!

Kennen Sie die Momente, in welchen ihre Agenda zum Bersten gefüllt ist? Man ist heillos verplant und die Linien und Kästchen bieten zu wenig Platz für all die Termine. Das Adressverzeichnis hinten in der Agenda ist überfüllt und man wünscht sich zusätzliche Tage und Wochen zum Abarbeiten seiner Aufgaben. So viel zu erledigen und so wenig Zeit. Keine Freizeit, der Mensch ein Arbeitstier.
Agenda stammt aus dem lateinischen agendum, was inetwa das zu Tuende oder das zu Treibende bedeutet. Ist die Agenda aber erst einmal überfüllt, wir sie selber zum Treibenden und peitscht uns unerbittlich von einem Termin zum nächsten. Ich frage Sie also noch einmal: Kennen Sie solche berstenden Agenden?

Ihre Antwort ist mir völlig einerlei, denn ich meine etwas Anderes. Ich habe eine Agenda, welche bald birst. Doch das hat nichts mit Terminen zu tun, sondern ist wörtlich aufzufassen. Zur Illustration:


Meine Agenda ist gefüllt - genauer gesagt: überfüllt - mit Flyern. Flyer, welche man überall findet, in Cafés, in Kinos, in den Foyers der Theater, usw. Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, diese Flyer zu sammeln und vor dem Altpapierstapel zu retten, indem ich sie in meine Agenda einklebe. Dieses doch eher schrullige Hobby entstand aus purer Langeweile und diente mir in den Schulstunden als Beschäftigungsprogramm. Unterdessen gebe ich meiner zweiten Flyer-Agenda den letzten Schliff; das Jahr geht allmählich zu Ende. Zu den Flyern gesellen sich mittlerweile auch Bierdeckel und Briefmarken, sowie Zeichnungen und Zeitungsausschnitte.

Es gibt Stimmen, welche behaupten, dass diese Flyer-Agenda reine Zeitverschwendung sei. Ich bin anderer Meinung: Durch diese Arbeit verhindere ich bewusst, dass die Agenda zum treibenden Element wird und gewinne der Zeit eine weitere Dimension ab: die Tiefe. Mit vielem Eingeklebten verbinde ich persöhnliche Erlebnisse und durch das Einkleben kann ich mir jeden Tag noch einmal bewusst in Erinnerung rufen. So ist die Agenda nicht mehr ein Notizbuch für die Zukunft sondern ein lebendes Bilderbuch meiner Vergangenheit.

Dienstag, 27. Oktober 2009

Das letzte Mal

Ich bin wieder einmal in einer Situation, in welcher mein ganzes Leben auf ein Punkt zuzulaufen scheint. All meine Gedanken kreisen um jenen Punkt und ich verspüre eine positive Nervosität. Tatendrang. Was und ob überhaupt etwas nach diesem Punkt folgt, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Dem Leser stellt sich jetzt nur noch die Frage, was denn genau  dieser Punkt ist.

In zwei Wochen beginnen meine Maturprüfungen.

Im Vergleich zu den dreieinhalb vorhergegangenen Jahren sind diese zwei Wochen verschwindend kurz. Dennoch hat sich meine Zeitwahrnehmung grundlegend verändert: Meine Zeit vergeht - ein besserer Ausdruck wäre entsteht - nicht mehr schön regelmässig und fliessend, sondern bricht in Brocken von ein oder zwei Wochen ab. Es knirscht zuerst, dann kracht es und schon gehören diese Wochenbrocken der Vergangenheit an.

In meiner momentanen Lage ist es mehr oder weniger sinnlos an die Zukunft oder die Vergangenheit zu denken; es ist viel ergibieger, sich mit der Gegenwart zu beschäftigen und im Jetzt zu leben. Dreieinhalb Jahre waren wir gezwungenermassen freiwillig im Gymnasium eingesperrt. Die Maturprüfungen scheinen mir weniger eine Befreiung zu sein  als viel eher die Vollstreckung unseres Todesurteils. So wird es zumindest von unseren panikschürenden Lehrern zelebriert, welche uns wie Lämmer zur Schlacht - resp. Prüfungsbank führen. Natürlich meinen es die Lehrer nur gut mit uns, aber was gut gemeint ist, ist meistens das Gegenteil von gut.

Dieser Lamm-Blickwinkel auf die drohende Maturschlachtung ermöglicht eine neue Sichtweise auf das, was man tut. Letzten Freitag schrieb ich meine letzte  Mathematikprüfung, am Tag zuvor die letzte Übersetzung in Französischunterricht. Letzte Woche besuchte ich zum letzen Mal eine Mittagsveranstaltung und heute Abend war zum letzen Mal Englisch-Vokabeln-Büffeln angesagt. Morgen werde ich ebenso meine letzte Prüfung in Architektur ablegen und so weiter und so fort.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich mich von meinem Leben, wie ich es in den letzten dreieinhalb Jahren gelebt habe, trennen muss. Langsam aber unaufhaltsam muss ich von meinem Alltag und meiner gewohnten Umgebung Abschied nehmen. Das ist keinesfalls traurig, auch wenn Sentimentalität mitschwingt, denn jedes Ende bedeutet auch einen Neuanfang und viele neue Möglichkeiten. Auf dass ich die Matur überlebe!

Montag, 26. Oktober 2009

Aller Anfang

Ich konnte es mir gestern nicht verkneifen, über die Basler Herbstmesse zu schlendern, um einen ersten Eindruck dieser 539. Ausgabe zu gewinnen. Das Resultat ist ernüchternd: Für meine persönliche Herbstmesse-Euphorie fehlen noch wichtige Faktoren.

 
Die ersten Tage nach einer Zeitumstellung, so geschehen vorletzte Nacht, gehören nicht zu meinen Favoriten. Wurde mein Körper erst einmal aus dem natürlichen Rhythmus katapultiert, verbringe ich einige Zeit damit, mich aus dem Off-Beat zu kämpfen. Zeitumstellungs-Lag. Ich beschloss am Nachmittag - ich kann die Uhrzeit beim besten Willen nicht angeben; meine Uhren zuhause behaupten zweierlei - über die Basler Herbstmesse zu spazieren. Wie schon angetönt, hielt sich meine Begeisterung bezüglich der Herbstmesse dann in Grenzen. Das liegt an mehreren Faktoren, welche versagten:
Der Himmel war wolkenverhangen und spiegelte sich in den Pfützen, welche von Regenschauern zeugten. Ebenso trugen auch die gelb-roten Bäume und die Blätter auf dem Gehsteig zur süsslich-melancholischen Herbststimmung bei. Alles in allem perfekte Voraussetzungen für die Herbstmesse, wenn da nicht ein kleiner Makel wäre. Kurz und ergreifend: Es war zu warm. Und aus dem "zu warm" wurde dank meiner Kleider rasch ein "zu heiss". Ausserdem wirkten auch die unzähligen Maroniverkäufer fehl am Platz. Maroni kann man erst richtig geniessen, wenn man die abgefrorenen Finger an den heissen Papiertüten auftauen kann.
Ein weiterer Faktor, welcher das perfekte Herbstmesse-Feeling verhinderte, waren die Menschen. Besser gesagt das Ausbleiben von Menschenmengen. Die einzelnen Plätze waren nur spärlich bevölkert und die Warteschlangen vor den Fahrgeschäften waren ungewohnt kurz. Auch das Gedränge zwischen den Ständen des Petersplatz war ein Schatten seiner selbst. Ein Spaziergang sollte doch immer auch dazu da sein, andere zu sehen und selbst gesehen zu werden. Oder etwa nicht?

Ich bin guter Hoffnung, dass auch die diesjährige Herbstmese noch ein Knüller wird, sobald das Wetter mitspielt.  Aller Anfang ist schwer. Ob es sich nun um die Anfänge eines Blogs oder der Herbstmesse handelt, spielt keine Rolle. In beiden Fällen ist Geduld gefragt, den gut Ding will Weile haben.