Donnerstag, 26. November 2009

Ironie

Es tropfte
Es regnete
Es strömte
aus dem Kanister
Benzin
über mich.

Plötzlich sah ich dich
und du mir in die Augen.
Da sprang der Funken.

Montag, 16. November 2009

un coup d'œuil


Endlich ist sie da. Eine weitere treue Begleiterin durch den grauen Alltag, der es gar nicht mehr ist. Plötzlich erscheint alles klar und in leuchtenden Farben. Man sagt das Liebe blind macht. Ich behaupte, erst durch die Liebe lernen wir zu sehen. Ich liebe meine Brille!

Natürlich wird mein Nasenvelo jetzt regelmässig Gassi gehfahren, denn ab jetzt sehe ich nicht mehr nur gut aus, sondern sehe auch gut. Ha, zu Ihrem Glück lässt sich Eigenlobgestank noch nicht digitalisieren und per E-mail verschicken. Aussehen hin oder her ich bin der Meinung,  dass wir es alle nötig haben, von Zeit zu Zeit unsere Brille mit den rosa Gläsern aufzusetzen. Die Welt wieder von der positiven Seite her zu betrachten, tut gut. Mit der rosa Brille einhergehend kann man auch ein selbstgefälliges Grinsen aufsetzen und so den Gemeinheiten des Lebens gegenübertreten. Es ist höchste Zeit, das Blatt selbst in die Hand zu nehmen und zu wenden. Umschreiben. Das Gegenteil behaupten.

Wenn ich durch die Strassen gehe, sehe ich alles gestochen scharf und mit nie dagewesener  Farbtiefe. Ich glaube fast, das Leben an sich in den Gesichtern der Menschen ablesen zu können. Manche behaupten, das Leben sei ein schlechter Witz, welcher schon abertausende Male erzählt wurde. Ich behaupte, dass diese Leute nicht genau zugehört und die Pointe selbstverschuldet verpasst haben. Tant pis.

Und wenn die Welt nicht mehr in meinen Farben erstrahlt, male ich sie mir neu an. Ich werde Landstreicher!

Sonntag, 8. November 2009

Le misanthrope, c'est moi

Es gibt Tage, an welchen ich keine Lust auf Menschen habe. Null Bock auf Menschsein. An diesen Tagen - und Herbsttage sind besonders anfällig - ziehe ich mich in eine der hiesigen Bibliotheken zurück. In Bibliotheken gibt es nämlich keine Menschen. Dort leben nur Bücherwürmer und Leseratten. Weitere Gattungen der Bibliotheksbewohner sind Brillenschlangen, Schmökerspinnen und Schwärme voller schräger Vögel.

Der Bücherwurm ist von gedrungener Gestalt und bewegt sich nur langsam zwischen den Regalen. Hat sich dieser gemütliche Zeitgenosse für ein Buch entschieden, liest er  dieses ohne Hast und ist auch nach Verstreichen der verlängerten Leihfrist noch nicht fertig. Zurückgebrachte Bücherwürmer-Bücher zeigen arttypische Merkmale auf, wie zum Beispiel herausgerissene Seiten, Flecken und Eselsohren.
                             Die Leseratte besticht durch ihre Wendigkeit, mit welcher sie durch die Bibliotheken huscht; oftmals ungesehen. Des Weiteren zeichnen sich Leseratten durch ihre schier grenzenlose Gier aus. Sie lesen alles, wessen sie habhaft werden können ohne zwischen guten und schlechten Büchern zu unterscheiden. Leseratten hamstern gerne und sind oft der Grund, warum jegliche Bestseller monatelang nicht in der Bibliothek auftauchen.
Schmökerspinnen sind nur in den dunkelsten Ecken der Esoterikabteilungen der Bibliotheken zu finden. Sie markieren ihr Revier mit eine erdrückende Parfumwolke und sind deshalb schon von Weitem erriechbar. Schmökerspinnen sind dürr, ihre Haut ist bleich und sie sind mit langen, knochigen Fingern ausgestattet. Schmökerspinnen legen es darauf an, ihre Opfer in Diskussionen über Literatur zu verwickeln, welche anschliessend zu  giftigen Streiten ausarten.

Zu guter Letzt gibt es noch mich, stellvertretend für die Misanthropen. Misanthropen sind die Domizil-Dinosaurier der Bibliotheken. Urgesteine, welche seit Jahren mit unerschütterlicher Regelmässigkeit in Bibliotheken anzutreffen sind. Doch letzlich spielt es keine Rolle welcher Unterart der Bibliotheksbewohner man angehört, Hauptsache man liest. Denn erst das Lesen macht wirklich Menschen aus uns.

"Manche Bücher darf man nur kosten, andere muß man verschlingen und nur wenige kauen und verdauen."   - Francis Bacon

Mittwoch, 4. November 2009

Entfallen

Peter Bichsel schreibt: " Kolumnen schreiben, das ist er dauernde Umgang mit der eigenen Phantasielosigkeit." Zur Zeit stimme ich ihm voll und ganz zu. Nur das ich keine Kolumnen sondern einen Blog schreibe, aber das spielt in Bezug auf die Phantasielosigkeit keine Rolle. Albert Einstein schrieb:"Phantasie ist wichtiger als Wissen, den Wissen ist begrenzt." Ich fasse zusammen: Ich bin momentan phantasielos und wenn man Einsteins Zitat Glauben schenkt, weiss ich noch weniger als ich Phantasie habe, also annähernd nichts.

Ich weiss, dass ich nicht weiss, was ich in meinem Blog schreiben soll. Das ist immerhin ein Anfang und darauf kann man aufbauen - genauer gesagt aufschreiben. Dabei hatte ich heute einen dieser seltenen Einfälle für einen gelungenen Text. Wie so oft stiess ich auf  jene Idee, als ich gerade nicht krampfhaft versuchte, kreativ zu sein.
Ich stieg aus dem Tram und weil die Traminsel inmitten einer Hauptstrasse liegt, musste ich an einer Ampel auf das grüne Licht warten. Diese Ampelwartezeiten scheinen intelektuelle Blitzableiter für Gedankenblitze aus heiterem Himmel zu sein. Ich stand plötzlich unter Strom und meine Nervenzellen arbeiteten auf Hochtouren. Vor meinem geistigen Auge zeichnete sich vage eine Idee für einen Text ab. Ein Hochgefühl.

Nur wenige Sekunden später schaltete die Ampel von Rot auf Grün und ideenverloren überquerte ich die Strasse. Auf halbem Weg erblickte ich ein Ja- zum-Minarett-Verbot-Plakat. Das erste in unserer Stadt und aus purem Reflex fuhr mein Gehirn die schweren Argumentationsgeschütze auf. Nachdem ich in aller Stille das Plakat und die dazugehörige Patei gründlich verurteilt hatte, wollte ich mich wieder meiner neuen Idee zuwenden. Zu meinem grossen Entsetzen fand ich keine Spur mehr von ihr. Alles weg. Der Einfall ist mir entfallen. Bis auf Weiteres gibt es auch keine Zeichen dafür, dass er zurückkehren will.

Und die Moral der Geschichte? Man soll sich von Hetzkampagnen und Populismus nicht aus der Ruhe bringen lassen und zielgerichtet seine eigenen Ideen verfolgen und wenn immer möglich auch umsetzen. Punkt um.