Mittwoch, 4. November 2009

Entfallen

Peter Bichsel schreibt: " Kolumnen schreiben, das ist er dauernde Umgang mit der eigenen Phantasielosigkeit." Zur Zeit stimme ich ihm voll und ganz zu. Nur das ich keine Kolumnen sondern einen Blog schreibe, aber das spielt in Bezug auf die Phantasielosigkeit keine Rolle. Albert Einstein schrieb:"Phantasie ist wichtiger als Wissen, den Wissen ist begrenzt." Ich fasse zusammen: Ich bin momentan phantasielos und wenn man Einsteins Zitat Glauben schenkt, weiss ich noch weniger als ich Phantasie habe, also annähernd nichts.

Ich weiss, dass ich nicht weiss, was ich in meinem Blog schreiben soll. Das ist immerhin ein Anfang und darauf kann man aufbauen - genauer gesagt aufschreiben. Dabei hatte ich heute einen dieser seltenen Einfälle für einen gelungenen Text. Wie so oft stiess ich auf  jene Idee, als ich gerade nicht krampfhaft versuchte, kreativ zu sein.
Ich stieg aus dem Tram und weil die Traminsel inmitten einer Hauptstrasse liegt, musste ich an einer Ampel auf das grüne Licht warten. Diese Ampelwartezeiten scheinen intelektuelle Blitzableiter für Gedankenblitze aus heiterem Himmel zu sein. Ich stand plötzlich unter Strom und meine Nervenzellen arbeiteten auf Hochtouren. Vor meinem geistigen Auge zeichnete sich vage eine Idee für einen Text ab. Ein Hochgefühl.

Nur wenige Sekunden später schaltete die Ampel von Rot auf Grün und ideenverloren überquerte ich die Strasse. Auf halbem Weg erblickte ich ein Ja- zum-Minarett-Verbot-Plakat. Das erste in unserer Stadt und aus purem Reflex fuhr mein Gehirn die schweren Argumentationsgeschütze auf. Nachdem ich in aller Stille das Plakat und die dazugehörige Patei gründlich verurteilt hatte, wollte ich mich wieder meiner neuen Idee zuwenden. Zu meinem grossen Entsetzen fand ich keine Spur mehr von ihr. Alles weg. Der Einfall ist mir entfallen. Bis auf Weiteres gibt es auch keine Zeichen dafür, dass er zurückkehren will.

Und die Moral der Geschichte? Man soll sich von Hetzkampagnen und Populismus nicht aus der Ruhe bringen lassen und zielgerichtet seine eigenen Ideen verfolgen und wenn immer möglich auch umsetzen. Punkt um.

2 Kommentare:

  1. Wow... du sprichst mir aus der Seele. Danke =)

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  2. Der dauernde Umgang mit der eigenen Fantasielosigkeit, das trifft es ins Schwarze.
    Um als Blogger die Leser bei der Stange zu halten, müsste man eigentlich jeden Tag Content liefern, aber Inspiration lässt sich leider nicht steuern.
    Sicher hilfreich ist die tägliche Lektüre von Zeitungen und Internetportalen.

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