Dienstag, 27. Oktober 2009

Das letzte Mal

Ich bin wieder einmal in einer Situation, in welcher mein ganzes Leben auf ein Punkt zuzulaufen scheint. All meine Gedanken kreisen um jenen Punkt und ich verspüre eine positive Nervosität. Tatendrang. Was und ob überhaupt etwas nach diesem Punkt folgt, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Dem Leser stellt sich jetzt nur noch die Frage, was denn genau  dieser Punkt ist.

In zwei Wochen beginnen meine Maturprüfungen.

Im Vergleich zu den dreieinhalb vorhergegangenen Jahren sind diese zwei Wochen verschwindend kurz. Dennoch hat sich meine Zeitwahrnehmung grundlegend verändert: Meine Zeit vergeht - ein besserer Ausdruck wäre entsteht - nicht mehr schön regelmässig und fliessend, sondern bricht in Brocken von ein oder zwei Wochen ab. Es knirscht zuerst, dann kracht es und schon gehören diese Wochenbrocken der Vergangenheit an.

In meiner momentanen Lage ist es mehr oder weniger sinnlos an die Zukunft oder die Vergangenheit zu denken; es ist viel ergibieger, sich mit der Gegenwart zu beschäftigen und im Jetzt zu leben. Dreieinhalb Jahre waren wir gezwungenermassen freiwillig im Gymnasium eingesperrt. Die Maturprüfungen scheinen mir weniger eine Befreiung zu sein  als viel eher die Vollstreckung unseres Todesurteils. So wird es zumindest von unseren panikschürenden Lehrern zelebriert, welche uns wie Lämmer zur Schlacht - resp. Prüfungsbank führen. Natürlich meinen es die Lehrer nur gut mit uns, aber was gut gemeint ist, ist meistens das Gegenteil von gut.

Dieser Lamm-Blickwinkel auf die drohende Maturschlachtung ermöglicht eine neue Sichtweise auf das, was man tut. Letzten Freitag schrieb ich meine letzte  Mathematikprüfung, am Tag zuvor die letzte Übersetzung in Französischunterricht. Letzte Woche besuchte ich zum letzen Mal eine Mittagsveranstaltung und heute Abend war zum letzen Mal Englisch-Vokabeln-Büffeln angesagt. Morgen werde ich ebenso meine letzte Prüfung in Architektur ablegen und so weiter und so fort.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich mich von meinem Leben, wie ich es in den letzten dreieinhalb Jahren gelebt habe, trennen muss. Langsam aber unaufhaltsam muss ich von meinem Alltag und meiner gewohnten Umgebung Abschied nehmen. Das ist keinesfalls traurig, auch wenn Sentimentalität mitschwingt, denn jedes Ende bedeutet auch einen Neuanfang und viele neue Möglichkeiten. Auf dass ich die Matur überlebe!

1 Kommentar:

  1. Irgendwo schwingt noch die Ungewissheit mit, die Matur vielleicht doch nicht zu bestehen.
    Ich bin sehr froh, für die Zeit nach der Schule schon eine Beschäftigung gefunden zu haben. Mit dem Ziel, ein knappes Jahr einfach nur auszuschlafen, kommt man nicht weiter.

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